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Krankenstand senken: Fehlzeitenmanagement im Gesundheitswesen

Wer Kranke pflegt und Patienten versorgt, wird selbst überdurchschnittlich oft krank. Die Gesundheits- und Pflegeberufe gehören seit Jahren zu den Berufsgruppen mit den meisten krankheitsbedingten Fehltagen. Das ist teuer, belastet die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen – und hängt enger mit der Arbeitsorganisation zusammen, als viele denken.

Lesezeit 6 Min. Aktualisiert 19. Juli 2026

Ein Beruf, der besonders oft krank macht

Die großen Gesundheitsreporte der Krankenkassen (DAK, AOK, BKK) zeigen Jahr für Jahr dasselbe Bild: Der Krankenstand in Deutschland liegt auf hohem Niveau, und Beschäftigte in Pflege und Gesundheitswesen fehlen deutlich häufiger als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Der Grund ist die Kombination aus körperlich und psychisch schwerer Arbeit, Schichtdienst und chronischer Unterbesetzung.

Die Hauptursachen

  • Muskel-Skelett-Erkrankungen durch Heben, Umlagern und langes Stehen – vor allem in der Pflege.
  • Psychische Erkrankungen wie Depression und Erschöpfung: Sie verursachen zwar weniger Fälle, aber besonders lange Ausfälle und nehmen seit Jahren zu.
  • Atemwegsinfekte mit hoher Fallzahl – im direkten Kontakt mit Kranken kaum zu vermeiden.
  • Belastung durch Personalmangel: Jeder Ausfall erhöht den Druck auf die Verbleibenden – und damit das Risiko, dass die Nächsten ausfallen.

Was das BEM vorschreibt

Ist eine beschäftigte Person innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen (42 Kalendertage) am Stück oder wiederholt arbeitsunfähig, muss der Arbeitgeber ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten. Das schreibt § 167 Abs. 2 SGB IX vor – und zwar für jeden Betrieb, unabhängig von Größe, Betriebsrat oder einer Schwerbehinderung. Ziel ist, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden, erneuter vorzubeugen und den Arbeitsplatz zu erhalten. Für die Beschäftigten ist die Teilnahme freiwillig, das Angebot für den Arbeitgeber Pflicht.

Fehlzeiten messen: Häufigkeit sagt mehr als Dauer

Nicht die eine lange Erkrankung ist das Steuerungsproblem, sondern das Muster vieler kurzer Fehltage. Ein anerkanntes Maß dafür ist der Bradford-Faktor: Er multipliziert die Zahl der einzelnen Krankheitsphasen im Quadrat mit den gesamten Fehltagen (S² × D) und gewichtet damit häufige Kurzausfälle stark. So werden Muster sichtbar, bevor sie zum Dauerzustand werden – ganz ohne einzelne Personen vorzuverurteilen.

Der wirksamste Hebel: verlässliche Planung

An Löhnen und Tarifen lässt sich kurzfristig wenig drehen – an der Dienstplanung dagegen sofort. Und gerade sie beeinflusst den Krankenstand unmittelbar:

  • Dienstpläne früh veröffentlichen und stabil halten: Weniger kurzfristige Änderungen bedeuten weniger Stress und planbare Erholung.
  • Wochenend-, Nacht- und Feiertagsdienste fair und gleichmäßig rotieren.
  • Ein echtes Ausfallkonzept aufbauen – etwa einen Springerpool – statt immer dieselben Zuverlässigen einspringen zu lassen.
  • Wunschdienste und Verfügbarkeiten berücksichtigen, damit Beruf und Privatleben zusammenpassen.
  • Überstunden konsequent abbauen, bevor sich Erschöpfung aufstaut.
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