Fachkräftemangel im Gesundheitswesen: Zahlen & Strategien
Apotheke, Arztpraxis und Pflege eint ein Problem: Es fehlt an Personal. Der Mangel ist messbar, hat klare Ursachen – und lässt sich an einer Stelle direkt beeinflussen: bei der Arbeitsorganisation. Ein Überblick mit aktuellen Zahlen und konkreten Hebeln.
Wie groß ist der Mangel?
Die Pflege ist laut Bundesagentur für Arbeit der zweitgrößte Engpassberuf Deutschlands; bis 2049 fehlen je nach Szenario 280.000 bis 690.000 Pflegekräfte. In Praxen liegt die Vakanzzeit für MFA-Stellen bei rund 76 Tagen, bundesweit sind etwa 5.000 Hausarztsitze unbesetzt. In Apotheken bleiben Apotheker-Stellen im Median rund 96 Tage offen, PTA-Stellen rund 107 Tage – und das Apothekensterben verschärft die Lage.
Warum gehen die Fachkräfte?
- Bezahlung: MFA verdienen im Schnitt knapp 2.500 €/Monat – Kliniken, Pflege und Krankenkassen werben mit mehr ab.
- Belastung: Schichtdienst, kurzfristiges Einspringen und hohe Arbeitsverdichtung treiben den Berufsausstieg – in der Pflege verlässt über ein Drittel der Jüngeren den Beruf binnen fünf Jahren.
- Teilzeit: Rund die Hälfte der Pflegekräfte (ambulant ~68 %) und ein hoher Anteil der MFA arbeiten Teilzeit – oft als Reaktion auf die Belastung.
- Demografie: Zwischen 2026 und 2031 gehen die Babyboomer in Rente und reißen zusätzliche Lücken.
Was hilft gegen Fluktuation?
Vergütung ist tariflich weitgehend gesetzt – an der Arbeitsorganisation lässt sich dagegen sofort etwas ändern. Mitarbeitende bleiben eher, wenn der Dienstplan planbar und fair ist:
- Dienstpläne früh veröffentlichen, damit das Privatleben planbar wird.
- Wunschdienste und Verfügbarkeiten berücksichtigen statt von oben zuteilen.
- Wochenend-, Nacht- und Feiertagsdienste transparent und gleichmäßig rotieren.
- Kurzfristige Ausfälle über eine App lösen statt über die Telefon- und WhatsApp-Kette.
- Überstunden und Zuschläge korrekt erfassen und auszahlen – das schafft Vertrauen.
Die Rolle der Digitalisierung
Digitale Werkzeuge entlasten das knappe Personal von Routine: automatische Zuschlagsberechnung, Stundenkonten, mobile Zeiterfassung und Selbstservice für Tausch und Urlaub sparen Verwaltungszeit, die wieder den Patient:innen und Kund:innen zugutekommt.
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